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Die vier Typen des Re-Entry

 

Wird man eigentlich durch einen längeren Auslandsaufenthalt flexibler? Oder ist die Horizonterweiterung durch das Leben in einer fremden Kultur wie ein Muskel, der trainiert wird, sich aber auch ganz schnell wieder zurückbildet, wenn man ihn nicht benutzt? Die Frage ist, was machen wir mit dem erweiterten Horizont bei der Rückkehr in die Heimat und was macht der Horizont mit uns?

Für die meisten Menschen ist diese Erweiterung des Horizontes ein Prozess mit vielen Höhen und Tiefen, den wir Kulturschock nennen. Jeder kennt die inneren Widerstände gegen die gefühlten „Unzulänglichkeiten“ der fremden Kultur und die Phase in der aus „schlechter“ „anders“ wird. Nach einer Weile schließen die Meisten nicht nur Frieden mit der anderen Kultur sondern erweitern ihren Horizont auf ein Maß, das die eigene und die neue Kultur umfasst.

Trotzdem kommt dann irgendwann die Zeit des Abschieds. Kluge Expatfamilien bereiten sich ausgiebig auf die Heimkehr vor, nehmen an Seminaren teil, verabschieden sich gebührend von Land und Leuten und legen lange ToDo-Listen&xnbsp; für die ersten Wochen nach der Rückreise an - sie tun alles, was möglich ist, um den Übergang so sanft wie möglich zu gestalten. Dann schließlich irgendwann ist es soweit, der Flieger landet auf heimischem Boden.

Ob die Heimkehr kaum erwartet werden konnte oder der Abschiedsschmerz überwog, die Wiederentdeckung von geliebten Gewohnheiten, Orten und Ritualen sorgt in den ersten Wochen für ein Gefühl von Ankommen. Endlich wieder Quarkspeise, deutsches Brot und den wahren Latte Macchiato……. )Â&xnbsp; Freunde und Familie und vielleicht sogar die Kollegen sind erleichtert, dass die Reisenden wieder da sind:„Jetzt sehen wir uns ja wieder öfter.“ „Wir können kaum erwarten, all Eure Geschichten zu hören“.Â&xnbsp;

Nur leider sind weder die daheimgebliebenen Lieben noch die Returnees die, die sie vor der Abreise waren. Dazwischen stehen der Lauf der Dinge und der erweiterte Horizont. Das Interesse von Freunden, Kollegen und Familie an Sätzen wie „in ……. Ist das ganz anders……..“ erschöpft sich genauso schnell wie der Wunsch, Photos oder andere Mitbringsel anzuschauen. Dazu kommen möglicherweise die Frustration, dass alles nicht mehr so ist, wie man es in Erinnerung hatte und meistens eine gehörige Portion von persönlicher Unsicherheit. Der typische Revers-Culture-Shock……
Somit steht jeder Expat irgendwann vor der Entscheidung was tun mit der Horizontserweiterung?

1. Der “Ich hab keine Probleme”-Typ
Er hatte sich schon während seiner Entsendung hauptsächlich auf die Rückkehr gefreut. Hatte weder die fremde Sprache gelernt, noch sich mit der anderen Kultur beschäftigt. Sprich, um hier von einer nachhaltigen Horizonterweiterung zu sprechen, bedarf es wirklich ganz viel gutem Willen. Dennoch ist auch das legitim. Jedenfalls ist er jetzt endlich wieder zu Hause und geht auch nur, wenn es unbedingt erforderlich sein sollte, noch mal ins Ausland.

2. Der „Augen zu und durch“-Typ
Der Heimkehrer stürzt sich mit 150-prozentigem Einsatz in die Arbeit. Es gibt ja sowieso viel zu tun und wenn er im Job etwas mehr als gewünscht liefert, fühlt sich das Leben wenigstens an dieser Ecke absolut sicher an. An die Arbeit! Nur manchmal bringt dieser Lösungsversuch leider früher oder später eine persönliche Überforderung mit sich. Und das während der Auslanderfahrung mühsam Hinzugewonnene versandet in alten Routinen.

3. Der „Schnell wieder weg“-Typ
Bei ihm war die nächste Entsendung schon im Vorfeld geplant er entscheidet sich kurz nach der Rückkehr, auch gleich wieder ins Ausland zu gehen. Das Weiterziehen ist eine vermeintlich schnell wirksame Medizin gegen den Re-Entry Frust. Allerdings bringt sie auch die Gefahr einer gewissen Rastlosigkeit mit sich. Für manche Repats fühlt sich das Weiterziehen sogar wie eine Erlösung an... aus den jetzt so empfundenen einseitigen Denkweisen der früheren Heimat.

4. Der „ Ich fang nochmal an“-Typ
Nachdem die Beziehungen zu den alten Kollegen und die Freundschaften von früher vielleicht nicht halten, was er erwartet hat, zieht er sich zurück und sucht sich ein neues soziales und professionelles Umfeld. Viele Repats wechseln den Job, andere suchen sich nach einer Zeit der Isolation einen neuen Freundeskreis oder ziehen in eine andere Stadt und bauen sich dort ein neues Leben auf.

Schlussendlich muss sich dann doch jeder seinen eigenen Re-Entry-Cocktail mixen. Eine Priese Neuorientierung, ein Schluck alte Sicherheiten, ein paar neue Leute und vielleicht eine berufliche Herausforderung bei der die Horizonterweiterung eingebracht werden kann, bis sich schließlich das Gefühl einstellt, wirklich angekommen zu sein. Auf jeden Fall hilft es, sich über den praktischen und emotionalen Verlauf einer Repatriation im Klaren zu sein und persönliche Strategien im Umgang damit zu entwickeln. Eine freundliche beobachtende Haltung, Geduld und Humor sind erstklassige Grundlagen, um mit den Gegebenheiten zu Recht zu kommen.

Last not least, ein paar Fragen die, bei der Vorbereitung oder auch wenn man mitten im Re-Entry Shock steckt, helfen.

Gutes Ankommen!

 

 

 

 




Das Bild zeigt Gerlinde Gelina

 

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