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Interview mit Gerlinde Gelina:

Zurück in die Heimat und dann?

 

Auf ihrer Website steht der Satz "Reintegration ist mehr als das Zurückkehren in die Heimat." Was gehört denn noch dazu?
G.G.: In die Heimat zurückkehren“ hört sich erst mal so an, alsÂ&xnbsp; obÂ&xnbsp; damit die Auslandsentsendung beendet wäre. Faktisch ist das auch so - der JobÂ&xnbsp; ist erledigt und der Lebensmittelpunkt verlagert sich wieder nach Deutschland. Praktisch aber ist damit höchstens zwei Drittel der Entsendung beendet. Erst mit gelungener Reintegration ist ein Auslandsaufenthalt wirklich abgeschlossen, denn die Rückkehr bedeutet für die meisten Repats noch mal neu anzufangen.

Nicht umsonst spricht man bei der Rückkehr vom Re-Entry Schock- wobei hier das Wort Schock besonders gut passt, weil die meisten Heimkehrer nicht wirklich mit der enormen Anstrengung rechnen, die sie erwartet. Neben den praktischen und bürokratischen Angelegenheiten gehören ja auch die persönlichen und emotionalen Herausforderungen zum Standortwechsel dazu. Zu alledem fühlen sich die Returnees oft alleingelassen, da die Daheimgeblieben ihre Themen häufig nicht so ganz nachvollziehen können.

Während eines längerem Auslandsaufenthalt gewöhnt man sich im laufe der Zeit so sehr an die Sitten und Gebräuche des Gastlandes, dass die zunächst neue Kultur am Ende â€ômehr oder weniger- Teil der Persönlichkeit wird. Zurück in der Heimat besteht dann die groÃče Herausforderung darin, dieseÂ&xnbsp; Erweiterung der Persönlichkeit in das hiesige Leben zu integrieren. Dieser Prozess fängt eigentlich erst nach der anfänglichen Phase der Wiedersehensfreude an. Je nach Länge und Umfang der Integration im Gastland kann es nach der Rückkehr mehrer Wochen oder Monate dauern, bis man sich in der Heimat wieder richtig zu Hause fühlt.

 

Welche Probleme können sich denn bei der Rückkehr nach einem längerem Auslandsaufenthalt ergeben?
G.G.: Zuerst möchte ich erwähnen, dass das Heimkehren selbstverständlich nicht nur problembehaftet ist. Besonders am Anfang steht die Wiedersehensfreude, die Sicherheit durch das Vertraute und natürlich all die Dinge, die man an der eigenen Kultur so schätzt im Vordergrund.

Daneben gibt es aber auch kniffligere Themen, wie z.B. die berufliche Wiedereingliederung. Oft ist die die Frustration groÃč, wenn der Repat sein gewonnenes Wissen nicht einbringen kann oder/und der erwartete Karrieresprung ausbleibt, obwohl er während der Entsendung Führungsqualitäten bewiesen hat.

Auf freundschaftlicher Ebene und im familiären Bereich kommt es häufig zu Enttäuschungen. Weder man selbst noch die Daheimgebliebenen sind dieselben geblieben. Oft erscheinen die Ecken und Kanten der Lieben aus der Ferne in einem viel rosigeren Licht als sie in Wirklichkeit sind. So müssen sich viele Beziehungen nach der Rückkehr neu sortieren und einige halten dieser Prüfung nicht stand. Sogar Ehepaare, die zusammen ins Ausland gegangen sind, überraschen einander mit ihrer unterschiedlichen Reaktion auf die kulturellen Anforderungen.Â&xnbsp;

Die dritteÂ&xnbsp; Herausforderung ist die persönliche Verunsicherung und Desorientierung von der fast jeder Heimkehrer betroffen ist. Man weiÃč nicht mehr so recht, wie die Uhren in Deutschland ticken und je länger der Auslandsaufenthalt war, desto ungeschickter fühlt man sich im Umgang mit praktischen Erledigungen und sozialen Umgangsformen â€ô das Selbstbewusstsein kommt ins Schwanken.
Auf der anderen Seite empfindet man viele Regeln und Vorschriften als unsinnig und einengend und weiÃč möglicherweise im Job auch nicht recht, woran manÂ&xnbsp; ist und wo es hin gehen soll.

Zu all demÂ&xnbsp; kommt noch ein nicht zu verachtendes Pensum an logistischen und organisatorischen Aufgaben. Wohnungssuche, Autokauf, Behördengänge, Versicherungen, Schulsuche, Einrichtung des Haushaltes u.s.w. Kurz gesagt, es ist einfach VIEL. Obwohl einige dieser Aufgaben von professionellen Agenturen übernommen werden können, bleibt auch dieser Teil der Rückkehr ein Hochleistungsakt.

All diese Aspekte plus jene, die ich hier nicht ausdrücklich erwähnt habe, wie z.B. die Fürsorge für die Kinder, bilden zusammen genommen einen Berg an persönlichen, beruflichen und emotionalen Herausforderungen, den es zu erklimmen gilt.

Was raten Sie Rückkehrern?
G.G.: Planen Sie eine Strategie und halten sich nicht zu eng daran!Â&xnbsp; Nach dem Motto: das Planbare planen und viel Raum für Unvorhergesehenes lassen. Eine Strategie dient als Leitfaden, auf den Sie gegebenenfalls zurückgreifen können, sollte aber nicht zu einem Stressfaktor werden.

Fangen Sie frühzeitig an und halten Sie alles in einem Planungs- und Dokumentations- Heft fest - das hilft dabei, den Ãťberblick zu behalten.Â&xnbsp; Vor Allem aber seien Sie geduldig mit sich selber und Ihren Lieben. Geben Sie sich sehr viel Zeit mit ALLEM.

Starten Sie spätestens ½ Jahr vor der Rückkehr mit den praktischen Vorbereitungen:

Erstellen Sie ihr persönliches Survival-Kit mit Hilfe der folgenden Fragen:

 

Wie können Sie helfen?
G.G.: Eine Reintegration ist ein sehr vielschichtiges Abenteuer, bei dem man zum einen leicht mal den Ãťberblick verlieren kann und sich zum anderen gelegentlich überfordert fühlt. Da ich mich nicht nur mit den praktischen Aspekten einer Reintegration auskenne, sondern auch mitÂ&xnbsp; den emotionalen und zwischenmenschlichen, kann ich auf die Bedürfnisse meiner Kunden individuell reagieren. Ich stehe Ihnen sozusagen mit Rat und Tat zur Seite.
Während eines ersten Kennenlernens bestimmen wir gemeinsam den Rahmen unserer Zusammenarbeit und entwerfen eine individuell angepasste Re-Entry Strategie. Der Kunde kann zwischen verschiedenen Modellen auswählen. Die Angebote reichen von einzelnen Beratungsgesprächen bis hin zum groÃčen Coachingpaket - wobei das groÃče Coachingpaket die regelmäÃčige persönliche Unterstützung, meine telefonische Erreichbarkeit und praktische Rat bei Alltagsangelegenheiten beinhaltet.


Ãťber dieses Phänomen der Reintegration nach einem Auslandsaufenthalt liest man auf Deutsch erstaunlich wenig im Internet. Wie gehen damit deutsche Firmen um, die Mitarbeiter nach einem Auslandsaufenthalt wieder nach Hause holen?
G.G.: In der Vergangenheit war es sicherlich so, dass im Themenkomplex Auslandsentsendung, die Reintegration keinen hohen Stellenwert einnahm. Dies ändert sich aber gerade - nicht nur aufgrund von offiziellen Untersuchungen, sondern auch wegen der eigenen Erfahrung mit den Mitarbeitern, sind Unternehmen mehr und mehr bemüht, ihre Repats auch über die Ankunft hinaus zu unterstützen.
Heutzutage ist bekannt, dass das erste Jahr nach der Rückkehr darüber entscheidet ob das gewonnene Know-howÂ&xnbsp; undÂ&xnbsp; das Fachwissen des Returnees in das Unternehmen flieÃčt oder ob diese sich anderweitig orientieren. (Laut dem Brookfield Bericht 2010 verlassen 38 Prozent aller Expats ihr Unternehmen innerhalb von zwei Jahren nach Rückkehr.)


Es gibt drei Hauptaspekte der Re-Integration.

Bisher wurden von den drei Aspekten der Re-Integration meist nur die ersten beiden
durch die Unternehmen angeboten. Mittlerweile aber rückt auch die Bedeutung der individuellen und emotionalen Umstellung mehr in den Vordergrund. Um einen Re-Entry Blues und Burnout zu vermeiden, entscheiden mehr und mehr Expats und deren Arbeitgeber, sich frühzeitig von geschulten Beratern unterstützen zu lassen.


Was kann  bei der Reintegration in Zukunft besser gemacht werden?
G.G.: Die Wiedereingliederung sollte als Teilaspekt der Entsendung noch mehr Bedeutung bekommen. Ein Re-Entry Coaching sollte neben dem Relocation-Support und der beruflichen Wiedereingliederung schon während der Vertragsverhandlungen einer Auslandsentsendung benannt werden. Eine gemeinsam erarbeitete Wiedereingliederungsstrategie gibt Sicherheit und gewährleistet, dass nach der Rückkehr der Zugewinn an Know-how und Kompetenz dem Unternehmen zugute kommt.

Während des Auslandsaufenthaltes sollte der Kontakt zwischen Heimatunternehmen und Expat regelmäÃčig gepflegt werden â€ô Besuche des Unternehmens, telefonischer Kontakt und Gespräche mit gewählten Austauschpartnern.

Damit Re-Entry Schock und Stress gar nicht erst den Alltag regieren, empfehle ich bei der Planung einer Re-Entry Strategie besonderen Wert auf die persönliche und emotionale Unterstützung der Expats UND deren Familien zu legen

 

Dieses Interview wurde von Julia Frediani geführt und erschien in ihrem Blog: Globale Familien.

 

 

 

 

 




Das Bild zeigt Gerlinde Gelina

 

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